St. Patrick’s Day – zwischen Kirche, Karneval und Kopfschmerz

Stefan Nink über seine ganz persönlichen Erfahrungen am Nationalfeiertag in Dublin

Sogar das Guinness ist dann grün! Das musst Du mal mitgemacht haben! Bekam ich erzählt, als ich erzählt hatte, dass ich an St.Patrick's noch niemals in Dublin gewesen sei. Wissen Sie ja wahrscheinlich: Am 17.März feiern alle Iren dieser Welt ihren Nationalheiligen, und in Dublin feiern sie das besonders kräftig. Und damit sich diese Erfahrungslücke für immerdar schließe, bin ich im nächsten Jahr dann tatsächlich dort hin geflogen.

So ein bisschen muss man sich den St.Patrick's Day wie den Rosenmontag in Mainz vorstellen: Die komplette Stadt ist auf den Beinen, es gibt einen Umzug mit kostümierten Gruppen und Tschingderassabumm, und wenn der letzte Wagen vorbei gefahren ist, verschwindet alles in die Kneipen. Wollte ich auch.  Aus Gründen, die mir mittlerweile entfallen sind, bin ich dann allerdings nicht im kleinen Pub um die Ecke gelandet, sondern in der Guinness Brauerei, also gewissermaßen dem Epizentrum der Feierlichkeiten. Und bei Guinness hab ich dann die drei Nonnen getroffen. Im Hof.

Natürlich waren das keine echte Nonnen. Die drei waren aber nicht nur sehr originalgetreu verkleidet (in der Tracht der Franziskanerinnen, glaube ich), sondern redeten auch, als hätten sie die letzten Jahre in einer klammen Klosterzelle irgendwo in County Wicklow verbracht: Ob ich armer Sünder mich wohl verlaufen hätte, ob ich Beistand brauchte in diesen schlimmen Zeiten, in nomine patri et filii, so ging das die ganze Zeit. Als sie dann herausgefunden hatten, dass es sich bei der verlorenen Seele im Hofe des Guinness Brewery um einen Besucher aus Deutschland handelte, hakten mich Schwester Edith und Schwester Judith unter und marschierten mit mir zum Aufzug Richtung Rooftop Bar. Schwester Agatha schritt würdevoll hinter uns her und sang ein leises Lied, das im Original von Enya ist, glaube ich. Wir wurden etliche Male fotografiert, vor allem von japanischen Besuchern.

Nach zwei Stunden in der Rooftop Bar hatte ich Probleme, zumindest die rudimentärem Grundzüge der englischen Grammatik korrekt anzuwenden, während das Latein der drei Nonnen noch immer tadellos klang. Dies irae, dies illa! Et in terra pax hominibus! Irgendwann dachte ich, dass einem so etwas im erzkatholischen Mainz niemals passieren würde, auch nicht an Rosenmontag. Aber noch bevor ich länger grübeln konnte, hatten die drei frommen Schwestern schon die nächste Runde Guinness organisiert, „To St.Paddy's!“ gerufen und mich abwechselnd auf die Wange geküsst.

Es kam dann, wie es kommen musste: Der Heimflug am folgenden Morgen war fürchterlich. Durch meinen Kopf schwirrten Kirchenlieder, „Großer Gott, wir loben Dich“, „Fest soll mein Taufbund immer stehen“, wo immer die herkamen. Ein paar Mal ertappte ich mich dabei, wie ich versuchte, meinen Rückweg ins ins Hotel in kompletter Länge zu rekapitulieren – und jedes Mal aufgab. Eins aber weiß ich seitdem bestimmt: Das Guinness war nicht grün, auf gar keinen Fall war es grün.

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