Wertvoller als Guinness

Musik ist Irlands erfolgreichster Export-Artikel:

Und jetzt: das erfolgreichste irische Exportgut. Guinness? Könnte man meinen. Stimmt aber nicht. Viel erfolgreicher ist die irische Musik. Früher hat sie Ausgewanderte in der Fremde an die Heimat erinnert, heute erinnert sie Menschen überall auf der Welt an Irland. Abgesehen vom ähnlich populären Blues gibt es keine andere geografisch fest verankerte Musik, die weltweit so viele Freunde hat wie die irische. Ihre melancholischen Balladen sind in Boston so populär wie in Dublin, auch in Rio hört man die Chieftains, und schwungvolle Jigs und Reels begeistern selbst Konzertbesucher in Tokio.
 
Jigs und Reels: Das sind die beiden Urformen irischer Instrumentalmusik – also das, was man hört, wenn man abends in Galway oder Cork in einen Pub kommt, in dem Musik gemacht wird. Die Bodhrán gibt den Takt an, eine mit der Hand geschlagene Trommel. Über deren Rhythmus legen sich Flöte, tin whistle, Geige und manchmal sogar die Uilleann Pipes, der irische Dudelsack.

Über 6000 Jigs und Reels gehören zum nationalen Repertoire, und gute Musiker beherrschen mindestens 200 davon. Fast alle werden sie schnell gespielt; Instrumentalmusik in Irland ist fast immer auch Tanzmusik. Sie stammt von den Farmen, wo sie früher lange Winternächte verkürzte, sie wurde in Scheunen gespielt, auf Hochzeiten und Kirchweihen, bei Geburten und bei Beerdigungen (wo sie erstaunlicherweise auch nicht weniger munter klang). Heute kann man sie in den Pubs hören, und nirgendwo ist Irlands Musik lebendiger als bei diesen spontanen Konzerten, bei denen oft mitspielt, wer gerade vorbei schaut. Und bei denen man erlebt, was irische Musik alles sein kann: Politisches Sprachrohr. Muntermacher. Und Trostpflästerchen für die Kratzer des Alltags.

Es spricht für den Umgang mit der Tradition, aber auch für die zeitlose Schönheit der irischen Musik, dass sie selbst dort ihren Widerhall findet, wo man sie überhaupt nicht vermutet. Van Morissons Soul klingt manchmal nach den „slow airs“, den Klageliedern vergangener Jahrhunderte, Step-Spektakel wie „Lord of the Dance“ haben Jigs und Reels schon vor Jahren sogar nach Las Vegas gebracht. Und selbst irische Rockbands hören sich manchmal - typisch irisch an. Was in einer Zeit und Welt, in der bald beinahe alles gleich zu klingen scheint, ganz schön viel bedeutet.


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