Alex mochte das

Oft sind es die kurzen Begegnungen, die eine Irlandreise so besonders machen. Manchmal bekommt man sogar ein Souvenir geschenkt.

Er hatte eine kleine Werkstatt in Sligo und einen Hund namens Alex. Zumindest meinen wir, dass er das gesagt hat: Alex, eigentlich Alexander, aber das sei natürlich viel zu lang, wenn man das Tier schnell mal zurückpfeifen muss. Als wir in der kleinen Werkstatt standen, war Alex bereits etliche Jahre tot, aber irgendwie doch noch quicklebendig. Sein Herrchen erzählte jedenfalls von ihm, als habe er gerade heute morgen beim Gassigehen noch die Enten aufgescheucht. Stand da an seiner Werkbank, schnitzte und feilte an einem Stück Holz und erzählte von seinem kleinen Racker: Wie er ihn als Welpen bekommen hatte, vom Nachbarn. Wie Alex anfangs ganz ängstlich gewesen sei. Wie er zum ersten Mal zum Angeln mit durfte und Alex die Forellen im Eimer angebellt habe, immer wieder, als wolle er verhindern, dass sie wieder hinaus springen. Jeden Morgen und jeden Abend sei er mit ihm spazieren gewesen, rain or shine, bei Wind und Wetter. „Alex mochte das“, meinte er und hobelte einen großen Span von seinem Stück Holz ab, „hat ihm nix ausgemacht, wenn es aus Kübeln schüttete, der wollte immer raus, das hat er geliebt. Auch noch, als er alt wurde.“ Irgendwann habe ihn das Gassigehen so angestrengt, dass er anschließend sofort eingeschlafen sei, den ganzen Tag habe er verpennt. Erst zum Abendspaziergang sei Alex munter geworden. Anschließend habe er wieder geschlafen, bis zum nächsten Morgen.

Wir hörten uns das alles an, nickten, lächelten, machten „oh!“ und sagten „yes“, was man eben so tut, wenn man nicht weiß, was man anderes machen und sagen soll. Wie Alex denn ausgesehen habe, wollten wir wissen. „So“, meinte er. Und schenkte uns das Stück Holz, an dem er in den letzten Minuten geschnitzt hatte und aus dem eine kleine Hundefigur geworden war: „Genau wie der hier.“

Alex steht noch immer in unserem Wohnzimmerregal.