Derry-Londonderry und der geheime Marinestützpunkt

Wir schreiben das Jahr 1943. Die Atlantikschlacht tobt zwischen den Alliierten und den Nazis. Die Kontrolle der wichtigen Schifffahrtswege steht auf dem Spiel. Dabei wird eine kleine Stadt am Rande Europas zur Geheimwaffe. Sie bietet den Alliierten den entscheidenden Vorteil, der letztendlich zum Sieg führen sollte. 70 Jahre später gedenkt Derry-Londonderry seiner Geschichte im 2. Weltkrieg.

The Clock Tower at Ebrington Square zur Verfügung gestellt von <a href="http://www.inpresspics.com/" >Martin McKeown</a>
The Clock Tower at Ebrington Square zur Verfügung gestellt von Martin McKeown

Während Marinesoldaten und Submariner auf hoher See Krieg führten, versuchten die Spezialisten der Alliierten an Land verzweifelt, den berühmten Enigma-Code der Deutschen zu entschlüsseln. Derry-Londonderry hatte gleichzeitig seinen eigenen Codenamen bekommen: „Base One Europe“ – sonst auch bekannt als US-Marinestützpunkt Londonderry.

Zu seiner Hochzeit beherbergte Base One Europe tausende Mitglieder des amerikanischen, kanadischen und britischen Militärs. Deren Aufgabe: Der Schutz der alliierten Handelsschiffe auf dem Atlantik. Diesen Mai wird Derry-Londonderry mit einer Reihe von Veranstaltungen zum Anlass der 70-Jahrfeier der Atlantikschlacht der eigenen Kriegsgeschichte gedenken.

Die Vergangenheit in Ehre halten

Die Royal Naval Association (Britische Marine-Vereinigung) plant, eine Statue des „Internationalen Marinesoldaten“ zu enthüllen. Sie wird all den Seemännern gewidmet sein, die ihr Leben verloren. Die Statue ist derjenigen nachempfunden, die den Hafen von Halifax in Nova Scotia (Kanada) überblickt. Dieser Hafen diente als Sammelpunkt für die Schiffskonvois vor der Überquerung des Nordatlantiks. In Rahmen der Enthüllung wird zudem eine Kranzniederlegung stattfinden und ein Schiff der Britischen Marine erwartet. Ganz wie in vergangenen Zeiten, als der Anblick von Kriegsschiffen auf dem Fluss Foyle beinahe alltäglich war.

Ansichten der Stadt

Ebenfalls im Mai öffnet eine Ausstellung mit den Werken von Dwight Shepler ihre Pforten. Der US-Marineoffizier und „Kampf-Künstler“ schuf Gemälde mit Wasserfarben und Zeichenkohle, die das Leben der US-Marinesoldaten in Derry-Londonderry zeigen. Kampf-Künstler bildeten den Krieg so ab, wie sie ihn erlebten – auf der einen Seite die Hitze des Kampfes und auf der anderen die Banalität des Alltags. Shepler hat beides erlebt. Bevor er 1943, vor der Landung der Alliierten in der Normandie, in Nordirland stationiert wurde, hatte er im Südpazifik gedient.

Seine Bilder zeigen den Alltag einer Stadt im Krieg, von einem Zerstörer in der Reparaturwerft bis hin zu Marinesoldaten beim gemütlichen Schlendern durch eine Straße in Bogside. Shepler war auch bei der Landung in der Normandie dabei. Seine in Derry-Londonderry entstandenen Bilder aber sind ein einzigartiges Zeugnis aus einer längst vergangenen Zeit.

Hollywood Calling

Zur Kriegszeit kamen auch einige Hollywood-Stars nach Derry-Londonderry, um die Soldaten zu motivieren. Darunter waren Bob Hope und Merle Oberon. Eine glamouröse, irisch-amerikanische Schauspielerin namens Peggy Diggins, die als Kriegsberichterstatterin fungierte, sorgte aber für besonders viel Aufregung. Sie kam 1942, um die Truppen im Beech Hill-Feldlager zu fotografieren. Peggy war Mitglied des ausschließlich aus Frauen bestehenden Navy Blues Sextet, das in dem Film Navy Blues aus dem Jahre 1940 zu sehen war. Danach trat sie dem Frauen-Armeekorps bei, wo sie ihre Erfahrung als ausgebildete Fotografin einsetzen konnte.

Beech Hill-Feldlager

Das Beech Hill-Feldlager, wo Peggy die Truppen begeisterte, beherbergte während des Krieges etwa 750 US-Marinesoldaten. Es war aber nicht das erste Mal, dass das Haus Teil der Geschichte von Derry-Londonderry war. Nachdem es einmal einem Prinzen des O'Cahan-Clans gehört hatte, wurde es zweimal von Armeen auf dem Rückzug nach einer Belagerung der Stadt zerstört. Im 18. Jahrhundert wurde es wieder aufgebaut und dann während des 2. Weltkrieges zu einer Soldatenunterkunft für die so genannten „irischen“ Marinesoldaten umfunktioniert. Ihre Mission war es, den US-Marinestützpunkt vor einem möglichen Angriff der Deutschen zu schützen.

Beech Hill ist heute ein Luxus-Hotel, in dem unter anderem schon Bill und Hilary Clinton und der Schauspieler Will Ferrell abgestiegen sind. Die Besitzer haben die Vergangenheit des Hauses aber nicht vergessen. Ihr Ziel ist es, die Geschichte zu bewahren und eine dauerhafte Gedenkstätte für die dort stationierten Marinesoldaten zu errichten.

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Wenn Sie das Hotel besuchen, verpassen Sie auf keinen Fall das Beech Hill-Museum. Es erzählt die Geschichte von Base One Europe und dem Beech Hill-Feldlager anhand von Fotos, Dokumenten und anderen Exponaten. Waldwege auf dem Gelände, die der einstigen Umzäunung des Feldlagers folgen, laden zu einem Spaziergang ein. Zudem kann man die letzten zwei Wellblechhütten besichtigen, in denen die Marinesoldaten untergebracht waren. Das bewegendste Zeugnis ist aber der Marine Memory Tree. In diesen Baum schnitzen aktive Marinesoldaten, Veteranen und ihre Familien ihre Initialen, wenn sie Beech Hill besuchen. 

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