Der weltbekannte Pullover

Bei den Fashion Weeks in New York, London, Mailand und Paris stolzieren gerade wieder Models über die Laufstege. Bei uns erfahren Sie, was in Ihrem Kleiderschrank in der Herbst/Winter-Saison 2013 auf keinen Fall fehlen darf: der Aran-Pullover.

Keine Sorge, wenn Sie letzten Winter keinen gekauft haben. Der lässige und supercoole Aran-Pullover läuft Ihnen nicht weg. Grob Gestricktes ist groß in Mode und das wird sich auch in der Herbst/Winter-Saison 2013 nicht ändern.

J. W. Anderson, Christopher Kane und die stylische Strickmarke Chinti & Parker entdecken den Aran-Strickpullover mit Zopfmuster gerade neu und rücken ihn noch mehr ins Rampenlicht.

Wenn Sie es aber lieber authentisch mögen, müssen Sie dorthin, wo das Kleidungsstück herkommt: Irland. Genauer gesagt: die Aran-Inseln.

Fleißige Strickerinnen

Historiker sind sich immer noch uneins darüber, in welchem Jahr der Aran-Pullover erfunden wurde. Man glaubt aber, dass es irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts war. Die fleißige Frauen auf den abgelegenen Aran-Inseln in Irland suchten nach einer Einnahmequelle und begannen ihre Strickwaren an die Geschäfte auf dem Festland zu verkaufen.

Die ‚Fischer‘-Pullover wurden ursprünglich aus ungewaschener Wolle hergestellt. Sie waren warm, funktionell und männlich. Sogar Steve McQueen hat einen getragen. Der große Vorteil: Sie waren wasserdicht und mussten selten gewaschen werden. Der Nachteil: Sie rochen nicht besonders gut.

Aber das war den Fischern egal. Hauptsache sie hielten warm. Ihrer wärmenden Wirkung haben sie es auch zu verdanken, dass sie bis heute ein beliebtes Kleidungsstück für kalte Tage geblieben sind.

Erfolgsgeschichte

In den 1950er und 1960er Jahren blühte der Export-Handel mit Aran-Pullovern auf. Bald sah man sie in allen Modemagazinen und Kleiderschränken. The Clancy Brothers, eine Irish Folk-Band, machte den Pullover dann international bekannt. Die Brüder traten im März 1961 in der Ed Sullivan Show auf und hinterließen modemäßig einen ziemlichen Eindruck. Wer steckte dahinter? Ihre Mutter natürlich. Sie hatte ihren Jungs Pullover geschickt, damit sie im bitterkalten New Yorker Winter nicht froren.

Mythen und Legenden

Für einen Pulli hat der Aran-Pullover ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sogar Stars wie Bill Clinton, Taylor Swift oder Sarah Jessica Parker lieben ihn. Zum einen liegt das an den Traditionen, die man mit ihm verbindet. Zum anderen an den Mythen, die ihn durch die Jahre begleitet haben.

Einige dieser Mythen gehen auf einen deutschen Touristen zurück, der es nicht einmal bis zu den Inseln geschafft hat. Heinz Kiewe mochte gute Geschichten. Er stellte Nachforschungen über die Herkunft des Pullovers an und kam zu dem Schluss, dass es sich um jahrhundertealte Handwerkskunst handeln musste. Er glaubte sogar, dass der Aran-Pullover im Book of Kells vorkommen würde.

1967 veröffentlichte Kiewe  The Sacred History of Knitting,, ein Buch über die Geschichte des Strickhandwerks. Seine Behauptungen darin entsprechen allerdings nicht unbedingt 100% der Wahrheit. Die Einheimischen waren jedoch so erfreut über das kommerzielle Interesse an den Aran-Inseln, dass sie Kiewe nie korrigierten. Viele seiner Geschichten leben bis heute weiter.

Tarlach Deblácan ist der Besitzer von Inis Meáin Knitwear. Er glaubt, dass auch ein weiterer Mythos unwahr ist. Angeblich konnten Familien ihre auf See umgekommenen Verwandten anhand des Musters ihrer Pullover identifizieren. Mit diesem Mythos hat Kiewe allerdings nichts zu tun.

„Die meisten Familien hatten zwar ihre eigenen Muster“, erklärt Tarlach, „aber dass man an diesen tote Fischer identifizieren konnte, ist wahrscheinlich eine Übertreibung. Die Geschichte geht auf J. M. Synges Theaterstück Riders to the Sea zurück und hat sich seitdem immer weiter verbreitet.“

Moderne Strickwaren auf Inis Meáin

Der Aran-Pullover ist komplex und einzigartig. Einer dieser Pullis kann aus bis zu 100.000 Maschen bestehen. Aber der traditionelle Pullover hat sich mit der Zeit gewandelt und moderne Aran-Pullover sind von einem ganz anderen Kaliber.

Inis Meáin Knitting Co. mit Sitz auf den Aran-Inseln ist eines der Unternehmen, die dem Pullover ein modernes Aussehen gegeben haben. Sie verwenden Cashmere, Leinen und Baby-Alpaca-Wolle. Ihre Modekreationen werden in Boutiquen und Kaufhäusern auf der ganzen Welt verkauft. Tarlach Deblácan, der Besitzer, berichtet: „Wir nutzen das Erbe der Aran-Island, um daraus etwas Neues zu erschaffen.“

Andere Unternehmen wie der Aran Sweater Market und Carraig Donn verkaufen Muster, die eher an den traditionellen Stil anknüpfen. Strickbegeisterte, die sich einen eigenen Aran-Pullover stricken möchten, finden im Internet problemlos ein Strickmuster. Verschiedene Geschäfte überall in Irland bieten unterschiedliche Stile, Schnitte und Farben des Wollwunders an.

Obwohl der Aran-Pullover nicht so alt ist, wie Kiewe uns glauben machen wollte, hat er dennoch einen festen Platz in der irischen Tradition. Er ist weltbekannt und wird Sie mit Sicherheit warm halten. Diese Stilikone wird noch für viele Jahre in Mode bleiben.

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