Küstenwanderungen

The Antrim coast
The Antrim coast

Zerklüftet oder sanft, verlassen oder einladend, atemberaubend schön oder perfekt zum Paddeln geeignet - Irlands Strände und Klippen bieten Küstenwanderern unglaublich viele Möglichkeiten, sagt Vanessa Harriss

Paddy Dillon erklärt in seinem Buch über Küstenwanderungen in Irland, dass die letzte Eiszeit ihre Spuren auf unserer Insel hinterlassen hat: „Irland hat ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Dieser Tatsache haben wir die hohen Klippen der Nordküste und die tief ins Land schneidenden Flussmündungen der Südküste zu verdanken.“

Natürlich beeinflusst das die Landschaft. „Im Süden kann man das Land praktisch bis zum Meer hin bewirtschaften, während im Norden Klippen oder zerklüftete erhöhte Strände die Grenze zwischen Land und Meer bilden“, erklärt er.

Das heißt nicht, dass das Meer im Süden ruhiger ist – niemand, der in der Grafschaft Kerry aufs Meer hinaus Richtung Blasket Islands schaut, während ihm der Südwestwind ins Gesicht bläst, würde so etwas behaupten. Aber dieses geologische Erbe führt zu einer überraschend vielfältigen Auswahl an Wanderregionen – und jeder hat seine Lieblingsregion…

Die unvergleichliche Nordküste von Antrim

„Ich habe viele Küstenwanderungen hinter mir, aber die Nordküste von Antrim ist einfach unvergleichlich. Sie toppt alles“, erzählt Toby Edwards, ein Mitarbeiter des National Trust, der britischen Zeitung Guardian. „Am besten gefällt mir der höchste Abschnitt der Klippen, wo man einen unglaublichen Rundumblick auf die ganze Region hat und über die Naturgewalten nur noch staunen kann.“

Für diejenigen, die sich an der Nordküste von Antrim nicht so gut auskennen: Hier befindet sich eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Irlands, der Giant’s Causeway mit seinen geometrisch geformten Basaltsäulen und den stürmischen Wellen. Trotzdem liegt gerade mal 30 km westlich der Benone Strand, den der Historiker Turtle Bunbury folgendermaßen beschreibt: „Mehr als zehn Kilometer goldener Sandstrand ohne das kleinste Anzeichen von Algen, Kies oder einem Stein. Benone ist wirklich beeindruckend. Der schönste Strand, den ich kenne.“ Er liegt geschützt vor Sanddünen, und im Hintergrund sieht man im Süden das beeindruckende Plateau des Binevenagh. Zudem hat man den Strand oft praktisch für sich allein.

Wildes wundervolles West-Cork

Im Gegensatz dazu hat West-Cork etwas „Wildes, das nicht von dieser Welt ist“ und seit langem Künstler, Schriftsteller und Hippies fasziniert“, schreibt John Crowley im Wall Street Journal. „Die extremen Freigeister sind inzwischen weiter gezogen, aber die Region hat immer noch eine alternative Seite „und bleibt ein innovatives und unkonventionelles Fleckchen.“

Hier liegt auch die Halbinsel Sheep’s Head mit einer ungefähr 88 Kilometer langen Wanderroute. Für Untrainierte gibt es viele Möglichkeiten, die Route abzukürzen, aber sie ist „unübertroffen – die Essenz des rauen West-Cork, eine wundervolle, einsame Wanderung durch eine atemberaubende Landschaft“. Das berichtet zumindest Odysseus53 aus London auf TripAdvisor.

Meine eigene Lieblingswanderregion ist Connemara

Kevin Doyle vom Reisemagazin CN Traveller beschreibt sie so: „In Connemaras baumlosen Weiten mit Bergen, Seen und einem zerklüfteten Küstengebiet verbirgt sich die Seele Irlands. Der ganze Westen Irlands bietet endlose Weiten, aber nichts kommt an die Weiten Connemaras heran.“

Mein perfekter Küstenrundwanderweg beginnt und endet im Dorf Roundstone und führt durch den weichen weißen Sand von Gurteen quer über die Landzunge zur Bucht Dog’s Bay und zurück zu Vaughan’s, wo man sich mit einer Schüssel Chowder (Suppe aus Meeresfrüchten) für den Spaziergang hinunter zum Hafen stärken kann. Dort wartet zum Abschluss ein Bier im O’Dowd’s. Ich finde, es gibt nichts Besseres.