Ahnenforschung

Martin Sheen  zur Verfügung gestellt von <a href="http://shutterstock.com/" >s_bukley</a>
Martin Sheen zur Verfügung gestellt von s_bukley

Ahnenforschung wird immer beliebter. Dabei wartet auf viele Hobby-Forscher so manche Überraschungen ...

Als Ramón Antonio Gerardo Estévez in seiner Familiengeschichte stöberte, stieß er auf eine Geschichte aus der Zeit des spanischen und des irischen Bürgerkriegs, die vielleicht sogar erklärt, warum er im Weißen Haus landete.

Estévez, besser bekannt als der Schauspieler Martin Sheen, interessiert sich für seine Familiengeschichte, seit er die britische Fernsehsendung Who Do You Think You Are? in eben dieser herumstöbern ließ. „Ich bin 71 Jahre alt und ich weiß ja nicht, wie lange ich noch hier bin. Ich habe es für meine Enkel und Urenkel gemacht.“

Man lernt sich selbst besser kennen, wenn man weiß, woher man kommt. Die Ahnenforschung enthüllt dabei so manche Überraschung. Geschichte wird neu entdeckt, neu definiert. Es ist faszinierend, wie oft Familien die Geschichten, die ihnen ältere Generationen erzählen, verdrängen, vergessen oder einfach missverstehen. Bei der Geschichte einer Nation ist das genauso.

Die Zeit vergeht, die tatsächlichen Ereignisse geraten in Vergessenheit und werden vereinfacht dargestellt: „Das sind die Guten, das sind die Bösen und das ist passiert.“

Das Problem ist, dass das Leben meistens nicht so einfach ist. Die einzige Möglichkeit sich ein Bild von der Realität zu machen ist, sich das Leben der einfachen Leute anzuschauen.

Aufgrund der vielen Emigranten hat Irland viele Söhne und Töchter, die auf der Suche nach ihren Wurzeln hierher zurückkehren. Da das Land außerdem eine politisch turbulente Vergangenheit hat, warten einige Überraschungen auf die, die denken, sie wüssten, wer ihre Vorfahren waren.

Martin Sheen, halb Spanier und halb Ire, erzählt stolz, dass seine Mutter aus Tipperary stammt. Er hat mehrere Filme in Irland gedreht, hat einen irischen Pass und hat sogar an der NUI Galway studiert, nachdem seine Rolle als US-Präsident in The West Wing - Im Zentrum der Macht beendet war.

Die Zeiten ändern sich

Während seiner Nachforschungen erfuhr der liberale Aktivist Sheen, dass seine Onkel im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco gekämpft haben. Mütterlicherseits kämpfte ein weiterer Onkel für die autonome Selbstverwaltung Irlands. Aber in der turbulenten Zeit am Anfang des 20. Jahrhunderts wechselten die Loyalitäten schnell.

Als er erfuhr, dass sein Onkel gegen den Irischen Freistaat war, gab Sheen zu, dass er vermutet hatte, sein Onkel wäre in den berüchtigten Mord an Michael Collins, einer Führungspersönlichkeit im irischen Unabhängigkeitskampf, verwickelt gewesen. „Aber es hat sich herausgestellt, dass mein Onkel zu dieser Zeit im Gefängnis saß“, erzählt Sheen. „Ich war sehr erleichtert!“

Dr. Who und der Oranier-Orden

Der schottische Schauspieler David Tennant (Harry Potter und der Feuerkelch) war ähnlich erstaunt über das, was er über seine Familiengeschichte herausfand. Anfangs hatte er nur die vage Ahnung, dass „da irgendwo etwas Irisches mit drin ist“. Dann fand er heraus, dass sein Urgroßvater William Blair ein nordirischer Protestant und Mitglied des Oranier-Ordens war.

Etwas über die eigene Vergangenheit zu erfahren ist aufregend und beängstigend, aber auch sehr lohnenswert. Martin Sheen formuliert es so: „Ich dachte mir, egal was dabei herauskommt, ich werde es akzeptieren. Ich war nicht auf alles gefasst, was ich erfahren habe, aber die Erfahrung selbst war sehr befriedigend.“

Es ist eben gut zu wissen, woher man kommt!