St. Patrick: sein Leben, seine Legenden

Als St. Patrick nach Irland kam stand er vor einer unsicheren Zukunft in einem kaum bekannten Land.

Die Insel war im 5. Jahrhundert von einzelnen kriegerischen Keltengruppen besiedelt, die von fünf Stammeskönigen mit eiserner Faust regiert wurden. Selbst die römischen Eroberer Britanniens hatten sich nicht so weit vorgewagt, von vereinzelten Händlern und Abenteurern einmal abgesehen.

Wer war St. Patrick?

Der heilige Patrick ist weitgehend für die Bekehrung Irlands zum Christentum verantwortlich, über einen Zeitraum von fast 30 Jahren bis etwa 462 n. Christus. Er führte das Werk von anderen Missionaren fort, die vor ihm begonnen hatten.

Hat er tatsächlich gelebt?

Eindeutig, auch wenn seine wahre Lebensgeschichte sich im Laufe der Jahrhunderte mit Geschichten und Legenden verwoben hat. Ein schriftliches Dokument, sein "Bekenntnis", ist greifbares Zeugnis seiner Authentizität.

Woher kam er?

Interessanterweise war Patrick nicht irisch, sondern was wir heute britisch nennen würden, auch wenn er römischer Abstammung war.

Woher stammt er?

Das weiß ehrlich gesagt keiner. Patrick selbst erwähnt in seinen Schriften, dass sein Vater ein Gut in der Nähe des Dorfes Bannavem Taberniae besaß, aber dieser Name findet sich auf keiner Karte des römischen Britanniens. Sein Geburtsjahr wird um 389 n. Chr. geschätzt.

Wie kam er zum ersten Mal nach Irland?

Als Sechzehnjähriger wurde Patrick - der damals noch Succat hieß - vom irischen König Niall of the Nine Hostages verschleppt und in die Sklaverei verkauft, wo er sechs Jahre lang als Hirte am Berg Slemish im County Antrim diente. Da in jenen Tagen räuberische Stammesfürsten häufig die Westküste Britanniens überfielen, hat man lange angenommen, dass Patrick ursprünglich aus Südwales stammte, aus dem Tal des Severn oder auch aus Gloucestershire. Heute gilt Strathclyde als wahrscheinlicher.

Wie wurde aus dem Sklaven ein Missionar?

Nach sechs Jahren konnte Patrick seinem Herrn Milchu entfliehen und nach Britannien zurückkehren. Der Legende zufolge hatte er im Traum von einem wartenden Schiff erfahren. Dort hatte er einen weiteren bedeutsamen Traum, in dem er von der Stimme Irlands aufgefordert wurde, als christlicher Missionar zurückzukehren. Daraufhin ging er nach  Frankreich, wo er im Kloster Auxerre bei Paris das Christentum studierte und später zum Priester geweiht wurde. Im Jahr 432 wurde er als Bischof Patricius vom Papst nach Irland entsandt, um das missionarische Werk seines Vorgängers Bischof Palladius fortzusetzen.

Wie erfolgreich war er?

Außerordentlich erfolgreich, wenn man einigen Berichten Glauben schenken darf. Es ist nicht klar, ob er tatsächlich König Laoghaire bekehren konnte, den Hochkönig von Irland und Sohn von Niall of the Nine Hostages, der ihn einst gefangen genommen hatte. Entscheidend ist aber, dass er die Erlaubnis des Königs errang, sein Werk in Irland fortzusetzen. Einige Historiker glauben, dass seine Missionstätigkeit größtenteils auf Ulster begrenzt war und sich vor allem auf Downpatrick konzentrierte, den damaligen Sitz der Könige von Ulster. Auf jeden Fall scheinen Patrick oder seine Schüler in den zwei bis drei Jahrzehnten ab 432 n. Chr. in fast alle Ecken von Irland gereist zu sein. Und sein Vermächtnis lebte fort. Ende des 5. Jahrhunderts war Irland zu einer christlichen Nation geworden.

Wann starb er?

Auch das ist nicht ganz klar. Einigen Berichten zufolge wurde Patrick 120 Jahre alt. Die meisten deuten aber darauf hin, dass er am 17. März im Jahr 461 in der Kirche von Saul, County Down, starb. Die Kirche wurde auf Land erbaut, das er von einem seiner Bekehrten erhalten hatte, einem örtlichen Stammesfürsten namens Dichu. In den Annalen von Ulster wird sein Tod im Jahr 491 erwähnt. Dies hat zur sogenannten «Theorie der zwei Patricke» und endlosen Spekulationen unter Gelehrten geführt. Ende des 7. Jahrhunderts war Patrick bereits zu einer legendären Figur geworden.

Wo ist er begraben?

Angeblich kennzeichnet ein Grabstein bei der Down Cathedral in Downpatrick seine Ruhestätte. Doch daran bestehen erhebliche Zweifel. Es gilt zwar als gesichert, dass Patricks Grab im County Down liegt. Fraglich ist jedoch, ob der normannische Edelmann John De Courcy Patricks sterbliche Überreste beinahe sieben Jahrhunderte nach dessen Tod wirklich so einfach finden konnte. De Courcy behauptete nämlich, er habe sie an den Sitz seiner Festung geschafft, was im Irland des 12. Jhdt., als die Normannen ihre Macht zu festigen suchten, ein taktisch äußerst geschickter Schachzug war.

Legenden

Dichtung und Wahrheit über das Leben St. Patricks auseinander zu halten, ist nicht immer leicht. Doch sprechen die meisten Legenden für sich selbst.

So soll St. Patrick etwa die Schlangen aus Irland vertrieben haben. Und tatsächlich gibt es in Irland keine Schlangen — allerdings gilt das auch für Neuseeland, ohne dass er jemals dort gewesen wäre ...

Zudem hielt der griechisch-römische Autor Solinus schon zweihundert Jahre vor Patricks Geburt fest, dass Irland schlangenfrei war. Die Geschichte von der Vertreibung der Schlangen scheint im 12. Jahrhundert von einem Mönch namens Jocelyn erfunden worden zu sein, den die Frau des Normannen John De Courcy aus Northumbria an den Hof ihres Mannes in Downpatrick gebracht hatte.

Einer anderen Legende zufolge ging Patrick, nachdem er der Sklaverei entflohen war, direkt nach Frankreich. Auf dem Weg zu seinem Onkel in Tours musste er die Loire überqueren. Da es keine Brücke und kein Boot gab, verwendete er seinen Umhang als Floss. Auf der anderen Seite angelangt, hängte er den Umhang zum Trocknen auf einen Weißdornbusch. Und obwohl es mitten im Winter war, erwachte der Busch daraufhin sofort zur Blüte. Fakt: Auch heute noch blüht im Winter im Loiretal der Weißdorn. St. Patrick sind dort zwei Festtage gewidmet, der 17. März und der erste Weihnachtstag.

Trotz seiner Heiligkeit neigte Patrick scheinbar zu Temperamentsausbrüchen. Als ihm einmal ein habgieriger Mann nicht erlauben wollte, seinen Ochsen auf seinem Feld rasten und grasen zu lassen, verfluchte Patrick das Feld, auf dass in Zukunft nichts mehr darauf wachse. Am nächsten Tag wurde das Feld vom Meer überflutet und blieb für immer sandig und unfruchtbar.

Das irische Kleeblatt (der Shamrock)

Der Shamrock ist eines der Symbole Irlands, eine Verbindung, die auf St. Patrick zurückgeht.

Was ist Shamrock?

Shamrock wächst angeblich nur in Irland und ist damit etwas ganz Besonderes. Anderslautende Behauptungen stoßen gewöhnlich auf Empörung. Als in den Anfangszeiten des irischen Fernsehens ein angeblicher rhodesischer Farmer in einem Interview behauptete, auf seinem Land wüchse hektarweise Shamrock und er würde ihn sogar nach Irland exportieren, brach ein Sturm der Entrüstung aus. Die Produzenten der Sendung verteidigten sich damit, dass die Zuschauer offensichtlich das Augenzwinkern des Reporters am Ende des Beitrags übersehen hatten.

Und die Wirklichkeit?

Tatsächlich ist der dreiblättrige Shamrock eine Art Klee — Trifolium repens, Trifolium pratense oder wahrscheinlicher Trifolium dubium mit botanischem Namen — und sieht nur deshalb ungewöhnlich aus, weil er so früh im Jahr gepflückt wird. Er kommt auch nicht nur in Irland vor. Trifolium dubium findet man von Skandinavien bis zum Kaukasus und sogar in Amerika.

Was ist die Verbindung zu St. Patrick?

Es wird überliefert, dass St. Patrick den dreiblättrigen Shamrock verwendete, um dem heidnischen König Laoghaire das Prinzip der heiligen Dreifaltigkeit zu erklären. Vierblättrige Shamrocks werden natürlich nicht berücksichtigt, diese werfen schwerwiegende theologische Probleme auf.

Was bedeutet „drown the shamrock“ (den Shamrock ertränken)?

Die Antwort liegt auf der Hand: ein paar Drinks zur Feier des St. Patrick’s Day. Weniger bekannt ist, dass es sich dabei ursprünglich nicht um einen irischen, sondern um einen britischen Brauch handelt. Seit mindestens Mitte des 18. Jahrhunderts teilten englische Militärkommandanten ihren irischen Soldaten - vermutlich zur Stärkung der Moral - am 17. März eine Sonderration Grog zu. Im Jahr 1900 ordnete Königin Viktoria an, dass die Soldaten irischer Regimente am St. Patrick’s Day zum Gedenken an ihre im Burenkrieg gefallenen Landsmänner Shamrock tragen sollten.

St. Patrick's Day-Paraden

Der erste schriftliche Beleg für Feierlichkeiten zum St. Patrick’s Day außerhalb Irlands findet sich bei Jonathan Swift, dem gebürtigen Dubliner und Verfasser von "Gullivers Reisen". In seinem "Tagebuch für Stella" schrieb er, dass am St. Patrick’s Day im Jahr 1713 das britische Parlament wegen des Festtages geschlossen hätte und die Londoner Prachtstrasse "The Mall" so üppig dekoriert gewesen sei, dass er dachte, "die ganze Welt sei irisch".

Der erste dokumentierte Festumzug zum St. Patrick’s Day fand 1762 in New York statt und diente vor allem als Rekrutierungsveranstaltung des englischen Militärs in Nordamerika. Später nutzten die Amerikaner selbst die Festumzüge für ähnliche Zwecke. Im Siebenjährigen Krieg kämpften Iren sowohl auf englischer als auch auf französischer Seite. Im Jahr 1757 griffen französische Soldaten am St. Patrick’s Day englische Soldaten im Fort Henry an. Die französische Truppe, die zum Großteil aus Iren bestand, ging davon aus, dass die zahlreichen Iren der englischen Truppe an diesem Tag nicht ganz auf der Höhe sein würden. Aber sie hatten die Rechnung ohne den gewitzten englischen Kommandanten John Stark gemacht. Dieser hatte nämlich seinen irischen Soldaten ihre festliche Extra-Ration Grog schon am Vortag ausgegeben. Die Franzosen verloren die Schlacht.

Heute finden auf der ganzen Welt Feiern und Festumzüge zum St. Patrick’s Day statt. Außer in Irland gibt es große Festumzüge in New York, Boston, Savannah, Chicago, Miami, San Francisco und New Orleans. Auch in vielen Städten Großbritanniens werden Festumzüge abgehalten, mehrere allein in London. Der Festumzug in Manchester gilt heute als der drittgrößte der Welt, dicht gefolgt von Birmingham. In Deutschland ist der größte Umzug in München, es gibt aber auch weitere.

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