Auf den Spuren von ‚Die Asche meiner Mutter‘

The River Shannon, County Limerick
The River Shannon, County Limerick

Der autobiographische Roman ‚Die Asche meiner Mutter‘ von Frank McCourt stellt die Stadt Limerick nicht gerade im besten Licht dar. Aber die Fans des Buches erwartet bei einem Besuch der Stadt ein wesentlich herzlicherer Empfang

Als Frank McCourt Die Asche meiner Mutter, den autobiographischen Roman über seine Kindheit in der Stadt Limerick in den 1930er und 1940er Jahren schrieb, hatte er mit Sicherheit keine Vorstellung davon, welche Auswirkungen sein Werk haben würde.

Seine Erzählung über bittere Armut war nicht nur der Beginn eines neuen Genres in der Buchwelt, das als „Misery-Lit“ bezeichnet wird, sondern spaltete auch die Leserschaft in die, die das Buch liebten und die, die es unverzeihlich fanden, wie er die Stadt und ihre Bewohner darstellte.

Auf jeden Fall hat das Buch, das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, Limerick bekannt gemacht.

Eine veränderte Stadt

Für die Fans des Buches und des Films gibt es noch immer jede Menge zu sehen, auch wenn die Slums glücklicherweise längst der Vergangenheit angehören. Laut Andrew Bennett, dessen raue Erzählstimme durch den Film mit Robert Carlyle und Emily Watson in den Hauptrollen führt, hat sich noch etwas anderes verändert.

„Ich bin in einem Vorort aufgewachsen und Limerick ist heute ein viel freundlicherer und liebenswürdigerer Ort“, erzählt Bennett. „Die Stadt war immer für Heldenmut bekannt, und es herrschte eine ernste, männlich geprägte Atmosphäre. Aber als die Universität eröffnete, kamen plötzlich Leute von überall her in die Stadt. Und viele Frauen.“

Aus einer Schule wird ein Museum

Mädchen waren eine neue Spezies für den jungen McCourt, der die Jungenschule Leamy’s School in der Hartstonge Street besuchte, in der heute das Frank McCourt Museum beheimatet ist.

Der junge Frank erwähnt eine weitere Schule, die vornehme Crescent, in die Richard Harris und Terry Wogan gingen. Auch Bennett ging in diese Schule, aber zu seiner Zeit war sie bereits koedukativ und an den Stadtrand umgezogen.

„Ich habe diese Schule geliebt“, sagt Bennett. „Aber ich erinnere mich, wie man mir erzählt hat, dass die Atmosphäre ganz anders war als in der alten Schule.“

Eine unvergessliche Stadtführung

Größtenteils ist man in der Stadt stolz auf den berühmten Sohn. Es wird sogar eine offizielle Stadtführung zum Buch angeboten, der Angela’s Ashes Walk. Sie beginnt an der Touristeninformation und führt durch die Straßen von Limerick zu den Orten, die im Buch vorkommen.

Den Besuchern scheint sie zu gefallen. „Erstklassig. Er wusste, wovon er spricht“, lobt ein britischer Besucher den Stadtführer. „Eine tolle Erfahrung“, berichtet ein anderer aus New York.

In McCourts Stadt gibt es zudem noch einiges mehr zu erleben. Das weltbekannte Hunt Museum im prächtigen Custom House ist ein Muss. Auch die Stadt selbst wurde meisterhaft restauriert. „Eine Zeit lang“, berichtet Bennett, „hatte Limerick dem Shannon den Rücken zugekehrt – man kam nicht zum Ufer. Jetzt wurden Wege gebaut und Cafés und der Fluss ist wieder da, wo er hingehört: im Herzen der Stadt.“

 „Man kann hier toll ausgehen“, fügt Bennett hinzu „Ich habe Freunde, die mit Showgruppen auf Tour gehen. Immer wenn sie zum Beispiel im Belltable Arts Centre oder an der Universität auftreten, sagen sie, dass sie den besten Abend ihres Lebens hatten.“

Fragen Sie sich, was Frank McCourt heute von dem Ort denken würde, an dem er aufwuchs?