Weihnachten im Irland des 19. Jahrhunderts

Heute, zur Zeit von Fernsehen und Globalisierung, ist der Lebensstandard in Irland vergleichbar mit dem unsrigen. Aber im 19. Jahrhundert war das anders.

Dan O'Harra's Connemara Heritage Center

Irland wurde 1801 durch den Act of Union zum Bestandteil des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland. Eine Reihe antikatholischer Gesetze, die sogenannten Penal Laws („Strafgesetze“) benachteiligten die katholische Oberschicht und Kirche. Das führte dazu, dass schon im 18. Jahrhundert lediglich 5% der Landbesitzer katholisch waren. Trotz des Erfolgs einer friedlichen Kampagne unter dem Anwalt und Politiker Daniel O'Connell und seiner 1823 gegründeten Catholic Association (Katholiken-Vereinigung), die 1829 schließlich zur Emanzipation der Katholiken führte, war die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts von Gewalt geprägt. Ungleichheiten zwischen der zahlreichen armen Landbevölkerung und ihren Landlords, sowie dem Staat führten zu sozialen Spannungen.

Dan O‘Hara lebte im 19. Jahrhundert vor der irischen Hungersnot als Bauer in Connemara. Er wohnte mit seiner Frau und seinen sieben Kindern in einem kleinen Cottage, das er gepachtet hatte. Die Familie ernährte sich von dem, was das Land abwarf – im Wesentlichen von Kartoffeln. Als die große Hungersnot die irischen Pächter in Not brachte, konnte Dan O‘Hara die hohe Pachtabgaben und die pro Fenster zu zahlende Steuer nicht mehr zahlen. Daher wanderte er nach Amerika aus. Seine Frau und 3 Kinder starben auf der Überfahrt. Wegen seiner mangelhaften Englisch-Sprachkenntnisse, er sprach nur Gälisch, verkaufte er Streichhölzer auf den Straßen New Yorks. Nach zwei Jahren starb auch er. Er wird in vielen irischen Liedern und Geschichten gerühmt.

Im 19. Jahrhundert führte Dan O' Hara, wie die meisten Menschen in Irland, ein schlichtes und einfaches Leben. Weihnachten war jedoch stets ein ganz besonderes Ereignis, welches besonder gefeiert wurde. Dazu reinigte Dan in den Wochen vor Weihnachten das Haus und die Nebengebäude und tünchte sie weiß. Seine Frau putze und schrubbte das Innere des Cottages. Die Kinder suchten auf den Feldern nach Stechpalme und Efeu, sodass sie das Haus schmücken konnten. Stechpalmenzweige mit besonders vielen Beeren sollten Glück bringen, so versuchten die Kinder vorzugweise diese zu finden. Man glaubte, dass am Heiligabend ein Engel auf jeder Spitze der Stechpalmenblätter steht.

Am Heiligen Abend stellte die Familie eine brennende Kerze in eines ihrer Fenster. Diese Tradition basiert auf dem Gedanken, der Heiligen Familie oder anderen Reisenden in der Nacht mit einem Licht den Weg zu zeigen. Es gibt irische Sagen, in denen einsame Wanderer am Heiligabend zwar Unterkunft fanden, dann aber auf sehr merkwürdige Weise verschwanden. Früher glaubte man, dass die Geister der Verstorbenen zu Weihnachten nach Hause zurückkehren. Oftmals gedenkt man daher auch heute noch mit einer brennenden Kerze der verstorbenen Familienmitglieder. Die Kerze war in der Kolonialzeit zudem ein Zeichen für Priester, dass es hier einen sicheren Ort gab, an dem man einen geheimen Gottesdienst zelebrieren konnte. In der irischen Volksmythologie heißt es, dass die Kerzen auch deshalb angezündet wurden, damit die Engel die Neugeborenen in der Weihnachtsnacht vom Himmel auf die Erde geleiten können.

Zu der Zeit als Dan O 'Hara in Connemara lebte, wurden die Kerzen aus Binsen hergestellt. Diese spendeten schlechtes Licht und verbrannten schnell. Weihnachten war wie Halloween eine Zeit des Gedenkens der Toten und der Wintersonnenwende nahe. Es galt als Glück während der zwölf Tage nach Weihnachten zu sterben, da in dieser Zeit den Toten der Himmel weit offen stehe.

Die O' Hara's ernährten sich mit sehr einfacher Kost. Es gab zwei Mahlzeiten am Tag. Ihre Nahrung bestand überwiegend aus Kartoffeln und Buttermilch. Frau O' Hara kochte einen großen Topf Kartoffeln und stellte sie in die Mitte des Tisches. Diese wurden dann mit Salz und dicker Milch gegessen. Manchmal gab es auch Haferbrot. Es wurde auf einem Backblech gebacken und war sehr hart. Am Abends aß die Famile Stiarbout (Brei) manchmal aus Haferflocken, manchmal aus Maismehl.

Am Weihnachtstag blieben die Menschen meistens zu Hause. Erst am Stephanstag wurden Verwandte, Freunde und Bekannte besucht. Zumeist füllten dann viele Besucher das kleine Cottage. Es wurde gesungen, musiziert und Geschichten erzählt. Diese von Erzählungen, die am Feuer vorgetragen wurden, erhielten die irische Sprache und die irischen Traditionen lebendig.

Aber nicht nur das Feuer hielt sie warm. Bevor die Regierung im 17. Jahrhundert die private Produktion verbot, glühte in jedem zweiten Haus eine Brennblase. Auch Dan O' Hara destilliert uisce beatha (ausgesprochen 'Ish-kah Bah-hah', Gälisch für Lebenswasser). Der Schnaps war nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle für die armen Pachtbauern, sondern machte auch ihren harten Alltag erträglicher.

Man sagte damals das Poteen Würmer tötet, Alt und Jung stärkt, der Verdauung hilft, Melancholie verscheucht, Fallsucht kuriert und gut für die Nieren ist. Es sei ein probates Mittel gegen alle Arten von Leiden, wie Grind, Harnzwang, Blähungen und Kopfschmerzen.

Heutzutage ist die Kunst des Poteen-Brennens in Connemara nahezu verschwunden. Aber im Connemara Heritage Center ist es immer noch möglich ein wenig Poteen für den Weihnachtenskuchen herzustellen. Probieren Sie Paulas saftigen Früchtekuchen doch selbst, er ist köstlich!

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Das Dan O’Hara Connemara Heritage Center liegt in der Nähe von Clifden. Sie können hier Rekonstruktionen frühzeitlicher Behausungen, sowie das Cottage von Dan O’Hara besuchen. Ein Café und eine kleine Ausstellung mit deutschsprachigem Film komplettieren das Programm. Die angeschlossene Farm wird bewirtschaftet. Das B&B ist ein perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung, es liegt in Sichtweite der N59. Genießen Sie Ihren Aufenthalt und das leise, entspannende Rauschen des kleinen Bachs, an dem das B&B errichtet wurde.

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