Golfen um den Titel bei den US Open 2013

Graeme McDowell lebt zwar inzwischen mitten in Florida, im Herzen ist er aber noch immer ein echter Ire. Irland ist einfach in seiner DNA, schreibt Golfjournalist Brian Keogh.

Sonst hätte er nicht im heißen Orlando, Florida, nur einen Katzensprung von seinem Wohnsitz entfernt sein eigenes Restaurant eröffnet. Im Nona Blue laden Guinness vom Fass und leckeres Pub-Essen zu großartigen Gesprächen nach dem Golfspiel ein. Ganz so wie in seiner Lieblingsbar in seiner Heimatstadt Portrush. Sie lag in der Nähe des bescheidenern Rathmore Golf Club, McDowells Heimatplatz.

Im Moment konzentriert sich Graeme McDowell aber ganz auf eine Sache: seinen ersten Abschlag am 13. Juni 2013 bei den US Open im berühmten Merion Golf Club in Pennsylvania. Während sich die Mitglieder auf der Terrasse der Bar Luft zufächeln, lassen die Spieler nur wenige Meter weiter am ersten Tee ihre Golfschläger durch die Luft sausen.

Wie zu Hause

Auch das ist in Rathmore ähnlich. Wenn das Wetter gut ist, sitzen die Mitglieder draußen. Allerdings heißt es, sie würden sich beim Trinken auf Tee und Kaffee beschränken. So geschehen zum Beispiel im Juni 2010, als McDowell in Pebble Beach an der Westküste der USA zum ersten Mal die US Open gewann. 

Es war bereits sehr spät in der Nacht, als Portrushs berühmter Sohn seinen Vater Kenny am Vatertag umarmte. Um das Finale miterleben zu können, mussten sich die Mitglieder bis um drei Uhr früh in der Bar einschließen. Robbie Doherty ist langjähriges Mitglied des Golf-Komitees. Er kann die Sache aufklären: „Wegen der sonntäglichen Schankgesetze mussten wir die Bar um 10 Uhr dicht machen und konnten nur noch Tee und Kaffee anbieten.“

Erfolge feiern

Danach wurde in Rathmore dennoch das ein oder andere Bier zu Ehren von McDowell getrunken. Immerhin hat die Nr. 7 der Weltrangliste hier und auf Irlands anderen großartigen Linksplätzen den Stil perfektioniert, der bei den US Open gefragt ist: kraftvolle Schläge sowie meisterhaftes Chippen und Putten. Somit gehört er zum Favoritenkreis und könnte in Merion Tiger Woods und Rory McIlroy hinter sich lassen.

Seine Fähigkeiten hat er auf Linksplätzen gelernt. Dazu gehören Royal Portrush, wo er 2000 irischer Amateurmeister wurde, der enge und schwierige Platz Laytown and Bettystown an der Ostküste und die hoch gelegenen Greens von Lahinch und Rosses Point in der Grafschaft Sligo im wilden Westen Irlands.

Lange irische Sommerabende

McDowells Liebe für das Spiel begann an langen irischen Sommerabenden. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Gary schlug er in Portrush, Grafschaft Antrim, die Bälle durch die laue Abendbrise. 

„Die Jungs lebten praktisch auf dem Golfplatz, besonders in den Schulferien“, erzählt sein Vater Kenny. „Im Sommer brachte ich sie auf dem Weg zur Arbeit um viertel vor acht in den Club. Wir hatten ihnen Mittagessen eingepackt und brachten ihnen ihr Abendessen. Um neun Uhr abends waren sie immer noch nicht zu Hause. 

Sie versenkten Bälle im 17. Loch. Sie wissen, wie das ist: Man spielt im Dunkeln und die Augen gewöhnen sich irgendwann daran.“

Talentförderung

Kein Wunder, dass das Spielen auf den engen Fairways der Linksplätze in Lahinch, Baltray und Portstewart McDowell zu dem fantastischen Golfspieler gemacht hat, der er heute ist.

Ob Philadelphia, die Stadt der brüderlichen Liebe, ihm bei den US Open genauso viel Glück bringt, wird sich zeigen. Immerhin ist Tiger Woods, die Nummer eins der Welt, auf einen unglaublichen 15. Major-Titel aus. Im Moment spielt er den besten Golf seit er 2008 das letzte Mal die US Open gewann.

Rory McIlroy hat zur Zeit zu kämpfen. Trotzdem kann es sehr gut sein, dass er uns daran erinnert, dass Form vergänglich ist, Klasse aber nicht.

Nicht verpassen: Die Top-Spieler McIlroy, Harrington, Lowry, McGinleyClarke und McDowell werden bei den Irish Open antreten, die eine Woche später in Carton House stattfinden … Noch eine Einladung zum Golf. Sind Sie dabei?