„Ich habe mich eher aus Neugier als aus Überzeugung entschlossen, den Croagh Patrick in der Grafschaft Mayo zu besteigen. Ich komme aus dem nicht besonders religiös geprägten Dublin und wollte wissen, warum der Katholizismus einen so starken Einfluss hat. Auch die physische Herausforderung hat mich gereizt. Pilgern soll schließlich beschwerlich sein,” erklärt Vanessa Harris. Je härter der Weg, so sagt man, desto größer die spirituelle Erleuchtung.
Dies ist nun schön und gut, aber nur wenige Leute können die Anstrengungen eines kompletten Pilgerpfads bewältigen. Kaum jemand wird glauben, dass seine Seele so sehr gefährdet ist, dass ein (oder sogar zwei) Monate Urlaub für deren Rettung aufzuwenden sind. Sogar der Versuch des amerikanischen Autors Bill Bryson, den Appalachian Trail zu gehen, dauerte Wochen. Und das, obwohl er nur ein Drittel des Weges bewältigte.
Der Tochár Phadraig Pilgrim Walk dagegen ist nur 35 km lang. Er führt von der Kirche Ballintubber Abbey zum Fuß des Bergs Croagh Patrick. Und sollte Ihnen auch das noch zu viel erscheinen, können Sie den 762 m hohen Berg vom Visitor Center in Murrisk aus erklimmen. Die Wanderung dauert etwa 2,5 Stunden.
Ein religiöses Gemeinschaftserlebnis
„Da das religiöse Element beim Croagh Patrick so stark ist, habe ich mich am Anfang völlig fehl am Platz gefühlt,” beschreibt Vanessa Harriss Ihre Empfindungen. Eine Pilgerreise beginnt als etwas Persönliches, aber sie endet als Gemeinschaftserfahrung. Die Erfahrung beruht auf den Menschen, die man während der Reise trifft. „Als ich losging hatte ich nur die vor mir liegende Anstrengung im Kopf. Aber dann geht man bergauf, kommt mit Leuten ins Gespräch, stolpert. Jemand hilft beim Aufstehen, Fremde nicken einem zu und sagen ein paar nette Worte, wenn man an ihnen vorbeigeht. Dann – wie ein Segen von oben – kommt die Sonne heraus. Jemand dreht sich um, schnappt nach Luft und plötzlich teilt man mit Fremden in stiller Bewunderung den atemberaubenden Blick über die Clew Bay Bucht.
Wenn man dann den Gipfel erreicht hat, fühlt man sich verbunden. Nicht nur mit den Menschen um einen herum, sondern mit allen, die über die Jahrhunderte dort gestanden haben, wo man selbst jetzt steht. Es ist ein schwindelerregendes Gefühl, das einen verändert.”
Wir fragten: Wie hat der Croagh Patrick Sie verändert? „Ich muss zugeben, ich habe mich offenherziger und erfüllter gefühlt. Und, ja, seltsamerweise habe ich eine große innere Ruhe in mir gespürt.”