Irland wie es im Buche steht

Die Man Booker-Preis-Jury hat die schwierige Aufgabe, literarische Perfektion zu beurteilen. Wir wollten herausfinden, wie mächtig das geschriebene Wort tatsächlich ist. So haben wir Experten gefragt, ob ein Buch ein ganzes Land definieren kann.

A Joyce moment in St Stephen's Green, Dublin City
A Joyce moment in St Stephen's Green, Dublin City

Der Man Booker-Preis wird seit 40 Jahren verliehen und hat uns fremde und ungewöhnliche Welten eröffnet: Kriegsschauplätze des 2. Weltkriegs, lebendige Erinnerungen aus einem Küstendorf in Wexford und einen Leichenschmaus in Dublin.

Laut Ian Trewin, dem literarischen Direktor der Man Booker Prize Foundation, ist der Man Booker-Preis in dieser Zeit „… viel bedeutender geworden, als es sich seine Gründerväter je hätten träumen lassen.“

Wie viel Einfluss aber kann ein Buch eigentlich haben? Kann es ein Land, das wir noch nicht gesehen haben, definieren? Kann es uns das Gefühl vermitteln, das einen beim Anblick einer wilden, zerklüfteten Küste überwältigt? Oder die Seele einer Stadt in Worte fassen?

2013 sind drei irische Autoren für den MBP nominiert. Wir haben Irlands Literatur-Kenner gefragt, ob ein Buch ein Land definieren kann.

Hook Head Lighthouse, Wexford
Hook Head Lighthouse, Wexford

Der Westen

Yeats, Synge, Edna O’Brien – Irlands Westen inspiriert Schriftsteller seit Jahrhunderten. Der Creative Writer’s Workshop von Irene Graham findet auf den wunderschönen westlichen Inseln statt.

Irene gab uns eine unerwartete Antwort auf die Frage, ob ein Buch oder ein Autor aus Irlands Westen die Region ihrer Meinung nach adäquat in Worte gefasst hat: „Da fällt mir sofort Liam O'Flaherty von der Insel Inis Mor ein. Liam ist ein leider längst in Vergessenheit geratener Schriftsteller. In vielen seiner Werke geht es um die Natur und um Irland, besonders in Die dunkle Seele. Dieses Werk ist möglicherweise ein autobiographischer Roman. Ein gepeinigter ehemaliger Soldat versucht im Wandel der Jahreszeiten, dem Meer und der unberührten Schönheit der Aran Islands Ruhe zu finden.“

Dublin und der Osten

Es ist kein Wunder, dass dieliterarische Hochburg Dublin Unesco-Literaturstadt ist. Für Brendan Teeling, den stellvertretenden Stadtbibliothekar, ist es unmöglich nur ein Buch auszuwählen, das symbolisch für die Stadt steht:

„Dublin ist wirklich eine Literaturstadt und es ist unmöglich ein einziges Buch zu nennen. Dubliner und Ulysses von James Joyce sind untrennbar mit Dublin verbunden. Zeitgenössische Werke wie Sebastian Barrys A Long Long Way und Joseph O'Connors Irrlicht handeln von der selben Zeit aber aus einer modernen Perspektive gesehen. 

Das meist gelesene Buch über Dublin wird dieses Jahr wahrscheinlich Stadt der Verlorenen sein. Das Buch handelt vom Dublin Lockout, dem berühmten Streik, der sich 2013 zum einhundertsten Mal jährt. Dann gibt es aber auch einige großartige Romane, die die Geschichte des modernen Dublins erzählen: Roddy Doyles Barrytown Trilogy gehört dazu genauso wie Christine Dwyer Hickeys The Cold Eye of Heaven.“

Die Oden an Wexford von Colm Toibin, der dieses Jahr erneut nominiert wurde, sind zur Pflichtlektüre für Liebhaber des Südostens geworden. Die See von John Banville dagegen ist ein bereits mit dem MBP ausgezeichneter tiefgründiger und nachdenklicher Besuch in dieser Grafschaft.

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Nordirland

Nordirland ist Literatur. Das ist wörtlich gemeint. C. S. Lewis hatte als Kind bei Wanderungen in den Mourne Mountains in der Grafschaft Down die Idee zu Narnia. In Belfast soll ein Felsen namens „Napoleons Nase“, dessen Form an ein Gesicht erinnert, Jonathan Swift zu seinem Werk „Gullivers Reisen“ inspiriert haben.

Die Mourne Mountains in der Grafschaft Down

David Lewis aus Derry-Londonderry, britische Kulturstadt 2013, verrät nur allzu gerne einen Geheimtipp aus der nordirischen Literatur:

„Das wissen nicht viele, aber Brian Moore, einer der großartigsten Romanautoren des 20. Jahrhunderts, stammte aus Belfast. Von Moore sollte jeder Die einsame Passion der Judith Hearne lesen. Ein tristes, aber brillantes Porträt von Belfast in den 1940er Jahren. Falls Sie nur einen einzigen Roman lesen wollen, empfehle ich aber Call My Brother Back von Michael McLaverty. Das Buch beschreibt die Erfahrungen eines Jungen von der Insel Rathlin Island an der Nordküste, der in das Industrieungeheuer zieht, das Belfast in den 1920er Jahren war. McLaverty, ein unbekannter Meister des Stils und der Charakterbeschreibung, bringt kunstvoll zu Papier, wie der Junge den Umzug verarbeitet während seine Familie in den Konfessionskonflikt der Stadt verstrickt wird.“

Blasket Sound, Grafschaft Kerry

Der Süden

Die Autoren von Blasket Island und jede Menge Literaturfestivals lassen darauf schließen, dass die Literatur auch im Süden auf eine lange Tradition zurückblickt. Für Cara Trant, Leiterin des Senachaí – Kerry Writer’s Museum, spiegeln die Werke eines bestimmten Bühnenautors den Charakter des Südens am besten wider: 

„Der Roman The Bodhrán Makers,  von John B. Keane, der eigentlich als Bühnenautor bekannt ist, beschreibt die vielfältige Kultur der Leute hier“, erklärt sie. „Der Roman erzählt die Geschichte eines jahrelangen Streits zwischen einer Handvoll Familien, die in der fiktiven Stadt Dirrabeg den heidnischen Wren Day feiern, und der katholischen Kirche. Der Klang der Bodhrán symbolisiert dabei die Fröhlichkeit und Schönheit eines Lebens voller Spaß statt voller Angst.“

Passt also ein ganzes Land in ein Buch? Vielleicht. Wenn Sie aber erfahren wollen, wie Irland wirklich tickt ... Sie wissen Sie ja, wo Sie uns finden!

Auf der Literary Ireland Homepage erfahren Sie mehr über Irlands literarisches Erbe.

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